Wen habe ich im Himmel außer dir? Und neben dir begehre ich nichts auf Erden! Wenn mir auch Leib und Seele vergehen, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil. (Psalm 73,25-26)

“Wahre Frömmigkeit besteht hauptsächlich aus Emotionen“. So lautet eine zentrale Aussage des reformierten Pfarrers und Theologen Jonathan Edwards (1703 – 1758). Wobei er Emotionen folgendermassen definiert: „Emotionen sind die lebendigeren und intensiveren Ausdrucksformen von Neigung und Willen der Seele.“ Mit anderen Worten, die Neigungen und der Wille meiner Seele drückt sich in Emotionen aus (Freude, Hoffnung, Friede, Liebe, Furcht, etc). Wenn nun echter Glaube in mir wohnt, beeinflusst dieser Glaube meine Neigungen und meinen Willen. Glaube ist dann nicht einfach nur ein für wahr halten dessen, was in der Bibel steht (auch die Dämonen glauben auf diese Weise). Was ich begehre, wonach mich verlangt, wohin es mich zieht, wozu ich geneigt bin, was ich wirklich will, das zeigt mir letztlich, was ich wirklich geglaubt habe.
Der leidende Psalmist ist Zeuge dieser Wahrheit. Er ist kein Schwärmer, kein Fantast. Er kämpft mit der Ungerechtigkeit in dieser Welt. Er ist fast neidisch über die Gottlosen, denen es so gut zu gehen scheint. Beinahe strauchelt er in seinem Kampf. Erst als er sich im Heiligtum befindet, kommt er zu sich. Da erkennt er seine Verbitterung, Torheit und seinen Unverstand (V.21-22). Und jetzt wird sein Herz weich, neigt sich ganz dem Herrn zu und äussert sich in dem obigen Bekenntnis.
Wenn wir den Eindruck haben, dass unser Glaube zu verkopft ist, dass es ihm an wahren Emotionen mangelt, was sollen wir tun? Das erste ist der Weg ins Heiligtum. Für uns Gläubige ist das der Tempel Jesu Christi, die Gemeinde. Da kann das Herz wieder weich werden. Die Teilnahme am gemeinsamen Lob, die gemeinsamen Gebete, das lesen und hören des Wortes Gottes, die Feier des heiligen Abendmahls und die Gegenwart des auferstandenen Christus können uns uns die rechte Perspektive geben und unsere Neigungen und unseren Willen neu ausrichten und prägen. Das wünsche ich uns allen: einen recht „emotionalen“ Glauben.