Verfügbar sein

Meine Zunge soll reden von deinem Wort, denn alle deine Gebote sind gerecht. (Psalm 119,172) 

Erika Meier war eine ältere Frau, die im Durchschnitt jährlich 250 kleine Neue Testamente den Leuten verteilte, denen sie begegnete. Ob beim Arzt, beim Spaziergang oder beim Einkaufen, sie fand immer eine Gelegenheit, jemandem eine Bibel in die Hand zu drücken. Viele dieser Gelegenheiten hat sie in ihrem Tagebuch festgehalten (Wie ich Menschen zu Jesus führte – Tagebuch von Erika Meier, geschrieben von Barbara Läng, Hrsg. Gideons, Intl.). So war sie einmal unterwegs zur Strahlentherapie, um ihren Tumor behandeln zu lassen. Noch auf dem Parkplatz kam ihr eine junge hübsche Frau entgegen. Sie ging ein paar Schritte mit ihr zu deren Auto. Bevor die junge Frau einstieg, bot Erika Meier ihr eine Bibel an. Diese war sichtlich erfreut und nahm das kleine Büchlein gerne an. Dabei sagte sie, dass sie sich schon seit längerem eine Bibel kaufen wollte, weil sie diesen Jesus kennen lernen wollte. Und jetzt bekam sie sogar eine Bibel geschenkt! Die Freude war auf beiden Seiten gross. 

Die Frucht der treuen Aussaat von Gottes Wort wird wohl erst vollends deutlich, wenn die letzte Ernte eingefahren ist. Lasst uns Erika Meier zum Vorbild nehmen und ihren Platz einnehmen, denn sie ist schon seit einiger Zeit im Himmel angelangt, wo es nicht mehr nötig ist, Bibeln zu verteilen.

Gesetz = Liebe

Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten. (Matthäus 24.12) 

Jesus erklärt den Jüngern die Zeichen, die der Zerstörung Jerusalems vorausgehen. Eines der Zeichen war die Gesetzlosigkeit und die daraus hervorgehende Lieblosigkeit. Der Mangel an Gesetz hat einen Mangel an Liebe zur Folge. Warum das? Weil das Gesetz Gottes nicht der Liebe entgegensteht, sondern weil das Gesetz Gottes ganz praktisch beschreibt, wie sich die Liebe bemerkbar macht. Wer liebt, stiehlt nicht, sondern arbeitet und gibt von seinem Geld denen, die nichts haben. Wer liebt, erzählt keine Lügen, sondern spricht die Wahrheit in Liebe. Wer liebt, nimmt sich einen von sieben Tagen Zeit, um Gott im Kreise seines Volkes anzubeten. Wer liebt, betet Gott so an, wie er es uns geboten hat. Wer liebt, gehorcht seinen Eltern, wenn er ein Kind ist und ehrt sie, wenn er erwachsen ist. Wer liebt, der bindet sich, wenn er einen Partner des anderen Geschlechtes gefunden hat, an ihn in einer lebenslangen Ehe und bricht diesen Ehebund nicht und bleibt ihm treu. Usw.

Wer Gottes Gebote fahren lässt, der lässt die Liebe fahren. Und wo die Liebe abnimmt, nimmt die Gesellschaft Schaden. Diese Entwicklung kann jedoch rückgängig gemacht werden. Da, wo das Volk des Königs Jesus seine Gebote hält und auf den Leuchter stellt, funktioniert es als Licht der Welt inmitten der Finsternis. Das ist keine Gesetzlichkeit. Denn wie sagt der Apostel Palus so schön? Jesus Christus hat “sich selbst für uns hingegeben, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun.“ (Titus 2,14) 

Superkräfte

Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus. (Phil 4,13) 

Dieser Vers, aus dem Zusammenhang heraus gerissen, könnte so verstehen werden, dass wir durch den Glauben an Christus zu Supermenschen werden, die alles können. Kein Schuh ist zu gross, keine Schulter zu schmal. Was der Spinat für Popeye, der Zaubertrank für Asterix und das Kokain für Sherlock Holmes ist, das ist Christus für den Christen. Mit Christus ist dem Christen nichts unmöglich! Da fragt man sich: kannte der Apostel ein Geheimnis, das uns unbekannt bleibt? Ich denke nicht. 

Der Apostel Paulus will uns hier eine etwas andere Erfahrung mitteilen. Er bedankt sich bei den Philippern für ihre Spenden. Gleichzeitig möchte er nicht als Bettler dastehen, nicht, dass sie sich gezwungen fühlen, ihm helfen zu müssen. Er kann auch mit weniger leben. Er hat gelernt, dankbar zu sein in allen Umständen, selbst wenn er eine Zeit lang hungern musste. Reich sein, arm sein, satt sein, hungrig sein, in Christus konnte er dies alles annehmen. Jesus befähigte (stärkte) ihn, in allen möglichen Umständen zufrieden zu sein.

Und das führt uns zum wesentlichen Punkt dieser Aussage. Die Gemeinschaft mit Jesus macht mich genügsam. Ich weiss, dass wenn ich ihn habe, ich alles habe. Denn er wird mir geben, was ich in diesem Moment nötig habe. Und oft viel mehr. Jesus vergisst mich nicht. Er kennt mich, ernährt mich, schützt mich, leitetet mich. Er ist mein Hirte, mein guter Hirte. Die fordernde Haltung führt zu Habsucht. Habsucht ist Götzendienst. Genügsamkeit ist das Gegenmittel. Dies gibt es in der Gegenwart Jesu.

Die christlichen Feste – kein Platz, den Menschen zu feiern

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist. (Joh 19,30) 

Die Karwoche liegt vor uns, mit zwei der höchsten Feiertage unseres Glaubens! Jemand hat einmal gesagt, im christlichen Kalenderjahr gibt es keinen Raum für die eigenen Werke (Dr.Michael Horton). Wie wahr, Gott hat alles für uns getan! Weihnachten – Gott wurde Mensch. Karfreitag – der Mensch gewordene Gott starb am Kreuz für unsere Sünden. Ostern – Der Gekreuzigte auferstand aus dem Grab und brachte die Unsterblichkeit ans Licht. Auffahrt – Christus nahm seinen Platz zur Rechten Gottes ein und herrscht über Himmel und Erde zu Gunsten seiner Kirche! Pfingsten – Gott, der Heilige Geist kam als Christi Stellvertreter, um sein Reich auszubreiten und sein Volk IN EINS zu sammeln! Alle diese Feste drehen sich nur um das, was Jesus Christus für uns getan hat. So wollen auch wir uns in dieser Woche vor allem um ihn drehen und ihn zur Mitte unseres Alltags machen. 

Alles nach Plan?

Und die Volksmenge, die vorausging, und die, welche nachfolgten, riefen und sprachen: Hosianna dem Sohn Davids! Gepriesen sei der, welcher kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! (Matth 21,9)

Es war schon fast soweit! Der Messias reitet auf einem Esel und zieht ein in die heilige Stadt. Die Volksmenge jubelt! Er kommt zu seinem heiligen Tempel! Die Schrift wird erfüllt, es läuft alles nach Plan. Doch in Jerusalem angekommen, geschieht etwas eigenartiges. Die Stimmung kippt allmählich. Schwarze Wolken tauchen am blauen Himmel auf. Und schon bald darauf hängt der vermeintliche Messias am Kreuz und stirbt. Seine Anhänger sind vollkommen perplex, verwirrt, verängstigt. War alles ein schlechter Scherz? Sind wir einem Betrüger auf den Leim gekrochen? Das Kartenhaus der herrlichen Zukunft stürzt in sich zusammen. 

Doch mit den Augen Gottes betrachtet, lief noch immer alles nach Plan. Der Herr musste verraten werden, er musste verurteilt und getötet werden. Dieser krasse dunkle Einbruch im Leben der Jünger war kein Unfall. Er war Ursache ihres Heils. 

Das dürfen wir uns merken, wenn auch unser Leben auf einmal oder allmählich dunkel, undurchsichtig und verwirrend wird. Wenn die Verheissungen verschwunden, der einst so klare Ausblick in eine hoffnungsvolle Zukunft getrübt sind; wenn das Vertrauen in Jesus und seine schönen Versprechen erschüttert wird. Diese schwierigen Erfahrungen sind kein Unfall und kein Missgeschick in Gottes Plan für unser Leben. Sie sind der Weg zum Ziel, einem grossartigen, herrlichen Ziel! Dieses Ziel ist uns sicher, der Siegespokal wartet auf uns, weil Christus ihn für uns gewonnen hat. Jesus hatte seine Jünger ja mehr als einmal vorgewarnt, für sie gebetet, doch sie hatten dafür keine Ohren. Uns geht es diesbezüglich besser. Wir können lernen von den Missgeschicken der ersten Jünger und uns die Ermahnungen des Apostels gefallen lassen, “denn er … stärkte die Seelen der Jünger und ermahnte sie, unbeirrt im Glauben zu bleiben, und sagte ihnen, daß wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen müssen. (Apg 14,22)   

Der Gott der zweiten Chancen.

Er ließ auch seine Söhne [als Opfer verbrennen] im Tal des Sohnes Hinnoms und trieb Zeichendeuterei, Zauberei und Beschwörung und hielt Geisterbefrager und Wahrsager, und er tat vieles, was böse ist in den Augen des HERRN, um ihn herauszufordern. (2. Chronik 33,6) 

Wer war einer der schlimmsten Menschen im Alten Testament? Es war ohne Zweifel der König Manasse. Und zwar nicht allein aufgrund dessen, was er tat, sondern vor allem aufgrund dessen, was er wider besseres Wissen tat. Mit zwölf Jahren wurde er Thronfolger seines gottesfürchtigen Vaters Hiskia. Manasse war als Stellvertreter Gottes über sein Volk gesetzt. Doch er trieb nicht nur abscheulichen Götzendienst, wie man in Chronik 33 ausführlich lesen kann. Er verführte auch das Volk dazu, es ihm gleich zu tun. Als Strafe dafür wurde Jerusalem von den Assyrern angegriffen. Den König nahm man gefangen und schleppte ihn nach Babel. Doch was dann geschah, war unerwartet. Manasse flehte zu Gott und demütigte sich. Er tat Busse. Wie das in etwa geklungen haben könnte, kann man in der apokryphen Schrift „das Gebet des Manasse“ nachlesen. Gott erhörte sein Flehen und setzte ihn wieder als König über Juda ein! Und nun ergreift Manasse die zweite Chance. Er geht zurück nach Jerusalem und räumt auf mit dem Götzendienst. 

Der HERR ist ein Gott der zweiten Chancen. Und die gibt es immer wieder. Denn „seine Barmherzigkeit ist nicht zu Ende, sie ist neu jeden Morgen“ (Klagelieder 3,23) Da Jesus für alle unsere Übertretungen bereits bezahlt hat, als sie alle noch in der Zukunft lagen, wird er sich auch über uns erbarmen, obwohl weitere Übertretungen folgen werden. Denn sie sind bereits bezahlt. Möge diese Gnade uns immer wieder neu zur Busse und zu neuer Hingabe leiten.