Mein Herz bebt in mir, und die Schrecken des Todes haben mich überfallen; Furcht und Zittern kommt mich an, und Schauder bedeckt mich. Und ich sprach: O das ich Flügel hätte wie eine Taube; ich würde davon fliegen, bis ich Ruhe fände! (Psalm 55,5-7)

David befindet sich in einem schrecklichen Zustand. Wir wissen nicht, was genau mit ihm geschehen ist, wir wissen aber, wie er sich fühlt. Er ist schonungslos ehrlich. Er fürchtet um sein Leben, sein ganzer Körper und seine Seele ist davon in Beschlag genommen. Was alles noch schlimmer macht, ist die Tatsache, dass nicht ein Feind die Schuld an seiner Verfassung trägt. Es handelt sich um einen Freund, einen Vertrauten, mit dem er viel Zeit in den Gottesdiensten verbracht hatte! Wenn er könnte, würde er sich aus dieser grauenhaften Lage befreien und fliehen. Aber das ist nicht möglich. 

Wie kann ein Mensch solche Schläge ertragen, und dabei je wieder Vertrauen in andere Menschen gewinnen? David entschliesst sich dazu, Gott anzurufen. Nicht nur einmal. Den ganzen Tag. Er ist sich sicher: irgendwann wird Gott mich hören! Er wird mir helfen! Gott sitzt auf dem Thron seit Urzeit! (V.17-20a) Mit anderen Worten, dem Herrn entgeht nichts! Ich bin nicht allein, er hat seine Hand nicht über mir, nicht als drohende Faust, sondern unter mir als Schutz vor dem Fall ins Bodenlose.  

Oftmals lesen wir solche Worte und gehen relativ schnell an ihnen vorbei. Wir staunen vielleicht über den armen David und bewundern seinen Glauben, aber wenn wir ehrlich sind, sagen sie uns nicht besonders viel. Bis wir selber in solche Lebenslagen hinein geraten. Auf einmal werden Worte wie diese lebendig, werden zu unseren eigenen Worten. Wir verstehen sie auf einmal, weil wir sie durchleben, ja, durchbuchstabieren. Für Momente wie diese hat der Heilige Geist sie uns geschenkt. Lasst uns in solchen Erfahrungen, in denen David (und der Sohn Davids – Christus) uns vorausgegangen ist, auch auf die Ermutigung Davids hören: „Wirf dein Anliegen auf den HERRN, und er wird für dich sorgen; Er wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen! (V.23)