Es soll aber zu jener Zeit geschehen, zu der Zeit, wenn Gog gegen das Land Israel heranzieht, spricht GOTT, der Herr, daß mir das Zornesfeuer in mein Angesicht steigen wird. (Hes 38,18)
Nachdem der brutale Diktator Saddam Hussein im Frühling 2003 gestürzt und im Dezember des gleichen Jahres in einem Loch aufgefunden wurde, hatte man ihn vor ein ordentliches Gericht gestellt, wo er sich für seine schrecklichen Verbrechen an seinem Volk verantworten musste. Vor ein paar Tagen ist das offizielle Oberhaupt des Iran (“Haman”), eines Mitgliedstaates der UNO, von zwei weiteren UNO Mitgliedstaaten („Mordechai und Esther“) überraschend in seinem eigenen Land per Knopfdruck mal eben pulverisiert worden. Diese Entwicklung sollte uns bei aller Sympathie für die unterdrückte Bevölkerung des Iran nachdenklich stimmen. Stichwort: Völkerrecht.
Manche Christen stellen sich einmal mehr ängstlich die Frage: „Ist das nun der Anfang vom Ende?” Nicht zuletzt auch deshalb, weil der israelische Premierminister seit einiger Zeit gerne Bilder aus dem Alten Testament verwendet: Mordechai und Esther, das Purimfest und der brüllende Löwe aus Amos benutzte er in seiner Rede am vergangenen Samstag zum Auftakt des Angriffs auf den Iran.
Aber spricht nicht einiges dafür, dass sich vor unseren Augen biblische Prophetie erfüllt? Ich möchte Entwarnung geben.
Zunächst muss der historische und literarische Kontext von Hesekiel 38 und 39 beachtet werden. Und der hat nichts mit dem 21. Jahrhundert zu tun. Danach müssen diese Kapitel im Licht des neuen Bundes interpretiert werden. Das heisst, sie müssen in apostolischer Weise christologisch ausgelegt und angewendet werden, so wie es Johannes in der Offenbarung tut. Was in Kurzform heisst: Wenn der Feind Christi sich aufmacht, Jesu Leib zu zerstören, wird das Gericht Gottes den Feind vernichten. Denn die Pforten der Hölle können die Gemeinde nicht überwinden. Was für eine grosse Ermutigung, auch für unsere Geschwister in Aserbaidschan, Bahrain, Iran, Kenia, Nigeria, Palästina, Sudan, Yemen, usw.
Doch als Leib Christi sollen wir weder Feuer und Schwefel auf unsere irdischen Feinde herab wünschen, noch über die Zerstörung durch Bomben zu jubeln (die immer auch Unschuldige töten), sondern unsere Feinde zu lieben, für ihr Heil zu beten; zu segnen, die uns fluchen, unser Leben hinzugeben, um die gute Nachricht zu verkünden. Ganz so, wie es Jesus uns vorgelebt hat. Denn „dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht, sein wird die ganze Welt.“ (J.C. Blumhardt) In diesem Sinne: Entwarnung!
