Denkst du etwa, o Mensch, der du die richtest, welche so etwas verüben, und doch das gleiche tust, daß du dem Gericht Gottes entfliehen wirst? Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut, und erkennst nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? (Römer 2,3-4)
Es gab einen Juden, der während des Zweiten Weltkriegs in einem deutschen Konzentrationslager dem Tod sehr nahe kam. Doch die alliierten Streitkräfte kamen gerade noch rechtzeitig, um sein Leben zu retten. Dem Lagerkommandanten gelang es jedoch zu entkommen. Jahrelang stand er auf der Fahndungsliste der Kriegsverbrecher, der nach langer Suche endlich gefunden wurde. Der Jude stand nach vierzig Jahren endlich dem Mann gegenüber, der so viele seiner Freunde und Verwandten ermordet und ihn fast getötet hatte! Plötzlich brach der Jude in Tränen aus. Als er sich endlich beruhigt hatte, fragte ihn jemand, warum er so geweint hatte. Er antwortete, es war nicht wegen des Bösen, das er in diesem gefangenen Deutschen sah. Nein, sagte er, es war, weil er das Böse in sich selbst sah. Denn er erkannte an der Tiefe des Hasses, der aus seinem eigenen Herzen kam, wie sehr er diesem Kommandanten ähnlich geworden war. (Aus: G.I. Williamson, The Heidelberg Catechism – a Study Guide)
Wir alle leiden an der gleichen „Krankheit”. Sie ist verursacht durch unsere völlige Verderbtheit, aus der sich kein Mensch selber befreien kann. Mit Hass erreichen wir nichts. Stellen wir uns vor, die ersten Christen hätten ihren grössten Feind, Saul von Tarsus, gehasst und eine Gruppe junger, mutiger Christen hätte ihn für seine Verbrechen getötet. Die wichtigsten Briefe des Neuen Testamentes wären nie geschrieben worden und wer weiss, ob Europa jemals die gute Nachricht empfangen hätte. Die göttliche Liebe überwindet Hass. Und sie ist in die Herzen der Jesusnachfolger ausgegossen durch den Heiligen Geist. Darum können wir es lernen, diese sündhaften Neigungen in uns zu überwinden.
