Denn keiner von uns lebt sich selbst und keiner stirbt sich selbst. Denn leben wir, so leben wir dem Herrn, und sterben wir, so sterben wir dem Herrn; ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn. (Römer 14,7-8)

Mit diesen Worten ermahnt Paulus einzelne Christen in Rom, die sich sich um Dinge streiten, die nicht direkt das Heil betreffen. In den Augen der Gläubigen sind das jedoch keine harmlosen Themen. Schliesslich geht es um die Reinheit des Lebens: Nahrung, die den Götzen geopfert wird; das Einhalten von im Zeremonialgesetz festgelegten Feiertagen. Das sind keine moralisch neutralen Themen. Sie haben grosse Auswirkungen auf das Gewissen der Gläubigen.
Heute regen wir uns nicht mehr über Götzenopfer und Neumondfeste auf. Es gibt andere Themen:

“Als Christ kann man doch unmöglich … (zutreffendes unterstreichen)

  • Bars besuchen;
  • Rockkonzerte besuchen;
  • am Fastnachtsumzug teilnehmen;
  • an einer Homo-Hochzeit teilnehmen;
  • Alkohol trinken; Tabak rauchen;
  • sich tätowieren/ piercen lassen;
  • Gegen CoViD impfen/ nicht impfen.
  • Masken tragen/ keine Masken tragen (medizinische).
  • Arminianer, Calvinist, Dispensationalist, Bundestheologist, Kindertäufer sein;
  • Fleisch aus der Massenverarbeitung essen;
  • Verbrennermotor fahren;
  • in der SD/SVP/SP/GLP/Grüne Mitglied sein;
  • CEO einer Schweizer Bank sein;
  • für Trump, Putin Verständnis/kein Verständnis haben;
  • für Selensky, Netanyahu Verständnis/kein Verständnis haben;
  • … “

Auf solche Argumente antwortet Paulus erstaunlich: viele Gewissensfragen haben mit dem Stand der Reife zu tun. Paulus spricht von „Schwachen” und „Starken“ (Röm 14,1-2). Es ist nicht einfach alles egal oder gleichgültig, aber es nützt es erst einmal nichts, wenn ein „Schwacher” gegen einen „Starken” kämpft. Und umgekehrt. Oder wenn man jemandem gegen seine Erkenntnis etwas aufzwingt. Deshalb: Konzentriere dich darauf, dass du alles, was du tust, deinem Herrn zuliebe tust. Tue es weiter, so lange du keine neue Erkenntnis gewonnen hast. Stehe zu deiner Überzeugung und erkläre sie, wenn du gefragt wirst, aber verurteile nicht deine Geschwister, die zu einer anderen Überzeugung gekommen sind. Gott ist auch mit ihnen unterwegs und wird sie recht führen (V.4). Solange nehmt einander in eurer unterschiedlichen Erkenntnis an. Das heisst, vertraut darauf, dass der andere auch seinem Herrn (der ja auch der deine ist) gefallen möchte. Auch er lebt und stirbt für ihn. Das ist es, was uns eint. So enden unsere Gespräche nicht in der Spaltung, sondern in gegenseitiger Annahme, Akzeptanz und erweitertem Verständnis.