Da kamen die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem zu Jesus und sprachen: Warum übertreten deine Jünger die Überlieferung der Alten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen. (Matth 15,1-2)

“Vor dem Essen Hände waschen!“ Das trichtert man den Kindern von früh an ein. Und seit CoViD 19 auch den Erwachsenen. Warum liess Jesus seine Jünger gewähren? War ihm Hygiene egal? Nun, worauf die Pharisäer sich bezogen, waren die mündlichen Überlieferungen früherer Gelehrten. Sie unterschieden sich von den Schriften des Alten Testamentes. Da konnte man z.B. erfahren, mit wieviel Liter Wasser man welche Hand zuerst und wie genau man sie zu waschen hatte. Was ursprünglich vielleicht zunächst praktisch gedacht war, wurde aber irgendwann zum eisernen Gesetz, das die ursprünglichen Gebote Gottes überfrachtete und z.T. sogar ungültig machte.
Diesbezüglich war Jesus ein Spielverderber. Er spielte nicht mit. Nicht weil er gerne aneckte. Solche gibt es ja auch unter Gottes Volk. Nein, sondern weil er Missstände – hier in Form von Gesetzlichkeit – aufdeckte und überwinden wollte. Gesetzlichkeit lenkt nämlich ab von der Gnade und macht das Selbst zum Mittelpunkt. Wer von der Gnade bewegt ist, kann von sich absehen und fragen: wie kann ich meinem Nächsten dienen? So führt Gesetzlichkeit zum Hochmut, Gnade zur Demut. Und Demut ist die Berufsbekleidung des Christen (1. Petr 5,5).