Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen. (Matthäus 5,44)
Thomas wurde während seiner ganzen Kindheit von seiner Mutter verraten und von seinem alkoholabhängigen Vater geschlagen. Böse Worte statt Ermutigungen, Schläge statt Umarmungen, Fäuste statt zärtliche Hände. Als Thomas zu Christus fand und von Gottes Liebe erfüllt wurde, konnte er seinen Eltern wie durch ein Wunder mit Liebe begegnen. Seine Aussage: “Ich sah sie mit Gottes Augen an“. Seine Augen strahlen, als er das sagt. Das ist die Geschichte von Thomas, die bei “Life on Stage” aufgeführt und erzählt wird.
Liebe beschränkt sich nicht auf Freunde, die eigene „peergroup“, die eigene theologische Untergruppe. Liebe macht nicht einmal Halt vor dem Feind, dem Sünder, dem Hasser und Verflucher. Theoretisch stimme ich voll zu. Aber praktisch finde ich das schwierig. Und stosse dabei schnell an Grenzen.
Einige meiner grössten Glaubenszweifel während meines Dienstes wurden durch die Streitereien in den Gemeinden entfacht. Und da geht es nicht um Feindesliebe. Man droht, die Gemeinde zu verlassen wegen dem Dialekt des Pastors, weil der sterbende Chor aufgelöst wird, oder die neuen Kirchenfenster nicht dem eigenen Geschmack entsprechen. Glaubensgeschwister regten sich auf, weil ich beim Einsetzen des Abendmahls nicht in der Mitte des Altartisches stand, oder mein Krawattenknoten falsch gebunden war. (Ich oute mich hier als „Knoten-Legasteniker“)
Doch während ich mich so schön genüsslich über all die kleinlichen und lieblosen Geschwister aufrege, merke ich gar nicht, wie lieblos und kleinlich ich selber gerade bin. Wie überheblich ich mich dem gegenüber fühle, der eine Sorge mitteilt und dem ich in diesem Moment eigentlich dienen könnte. Jesus wusste, wie schwer für uns ist, was das Gesetz fordert. Darum hat er es für uns erfüllt und ist aus Liebe zu uns gestorben, als wir noch Feinde waren. Und jetzt gibt er uns einen Rat: “Sei vollkommen, wie dein Vater im Himmel vollkommen ist!” (V.48). Auf deutsch: Schau deine „Nervensäge“, deinen „Stachel im Fleisch“, deinen Feind, mit den Augen deines himmlischen Vaters und im Anblick des Kreuzes an: Das sind die Augen der Liebe: “Die Liebe ist langmütig und gütig, … sie sucht nicht das Ihre, …“ (1. Kor 13,4) Thomas dient uns als authentisches Vorbild. Wir dienen dem gleichen Gott.
