Was sollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Mass der Gnade voll werde? (Römer 6,1)
Paulus erklärt den Christen in Rom die Erlösung aus Gnade durch den Glauben (Röm 3-4). Er zeigt auf, wie Christus uns das Heil erworben und uns ewiges Leben geschenkt hat, ohne unser Dazutun (Röm 5). Nachdem er das alles gründlich dargelegt hat, hört er mit seinem inneren Ohr einen Einwand, den er vermutlich nur zu gut von seinen vielen Gesprächen in den Synagogen des ganzen römischen Reiches kannte: Wenn uns die Sünden aus Gnade vergeben werden, können wir dann nicht einfach frisch drauflos sündigen? Schliesslich vergibt ja Gott aus Gnade.
Diese Frage ist heute noch aktuell. Christen, die zur Gesetzlichkeit neigen, stellen sie gerne.
Darum nimmt auch der Heidelberger Katechismus 1500 Jahre später diese Frage auf: “Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?” Lautet die Frage 64. Die schlichte und kurze Antwort: “Nein; denn es ist unmöglich, dass Menschen, die Christus durch wahren Glauben eingepflanzt sind, nicht Frucht der Dankbarkeit bringen.“ Wer von Gott gerechtfertigt worden ist, dem ist eben nicht einfach nur die Schuld gestrichen worden. Ihm ist eine neue Natur eingepflanzt worden, deren Wunsch es ist, für Gott Frucht zu bringen. Er möchte im Grunde gar nicht mehr sündigen. Er mag sich oft wünschen, dass die Frucht schneller wächst, grösser und vielfältiger ist. Aber Frucht wird er bringen. Der Katechismus zieht Matthäus 7,18 als Belegstelle heran: “Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen“. Wer an Jesus glaubt, ist gerechtfertigt, ist ein guter Baum. Frucht – auch wenn sie beizeiten zögerlich, spärlich und klein daher kommt, ist unausweichlich. Hast du Zweifel an deiner Frucht? Frag einen vertrauten Freund: “Wo siehst du Frucht in meinem Leben?” Er wird nicht lange brauchen, sie dir aufzuzeige
